Auf den Spuren des Wildnisfotografen

Stellen Sie sich einmal vor, für ein paar Tage allen Stress und Lärm hinter sich zu lassen, den Duft des Waldes einzuatmen, seinen vierbeinigen und beflügelten Einwohnern Auge in Auge gegenüberzustehen und die Rolle eines echten Naturfotografen zu spielen.

Der Regen peitscht hart gegen das Fensterblech. Auf dem schlaglochreichen Dorfweg bildet das Regenwasser kleine Rinnsale, die hier und da die Löcher im Asphalt vollständig füllen.

"Ich habe nicht geglaubt, dass es heute Regen geben würde", sage ich und sehe aus dem Fenster.

"Wir haben es nicht eilig", stellt Conny fest.
Er reckt sich nach dem Kaffeekessel und bietet mir noch eine Tasse an.
Conny Lundström ist Wildnisfotograf, stationiert in Kalvträsk und spezialisiert auf Steinadler. In seiner Gesellschaft soll ich einen Tang lang Naturfotograf spielen.
"Obwohl es ja eigentlich kein schlechtes Wetter gibt", sagt Conny. Beim Fotografieren geht es darum, die Umstände zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Oft entstehen die spektakulärsten Bilder unter Umständen, die man normalerweise als richtiges Mistwetter bezeichnen würde. Ein verlässliches Versteck. Conny klappt den Laptop hoch und zeigt eine Nahaufnahme von einem Steinadler mit reifbedecktem Gesicht.

"So ein Bild kann man nur bei 35 Grad machen."
"Minus 35", stelle ich klar und frage unwillkürlich, ob es nicht zu kalt ist, im Winter als Wildnisfotograf unterwegs zu sein. Conny schüttelt den Kopf. Er erzählt, dass er einen verlässlichen Unterschlupf am Fuß von Vitbergens Naturschutzgebiet hat.
"Aus Holz gezimmert, mit Toilette und Ofen und Platz für vier Fotografen. So wird es nie richtig kalt."
Draußen regnet es weiter.
"Wir warten noch eine Stunde", sagt Conny und ich nicke.
Unterdessen sehen wir uns weiter Connys Bilder an. Er erzählt sehr interessant. Allmählich beginne ich zu verstehen, dass hinter jedem Bild, das auf dem Bildschirm erscheint, eine Geschichte steckt. 

 

Unglaubliche Aussichten
Der See liegt spiegelglatt da, und der Regen hat fast aufgehört. Lautlos gleitet das Kanu über das Wasser.
"Da", sagt Conny und zeigt auf eine Anhöhe. "Das ist Vitbergen." Vitbergen ist ein Naturschutzgebiet, eine 900 Hektar große, hügelige Gebirgslandschaft mit Resten von Urwald. Vor ein paar Jahren ging ich zusammen mit Conny auf den Vitberg, um zu wandern und zu klettern. Auf dem Gipfel stiegen wir auf den 17 Meter hohen Aussichtsturm. Es war Nacht, Hochsommer, und die Aussicht war sagenhaft. Ich erinnere mich, wie sich die nebelverschleierte Waldlandschaft dem Betrachter darbot. Völlig unbefangen. Am Horizont erhoben sich Berge in blauem Dunst, und hier und da glitzerte die Abendsonne in ruhigen Wasserflächen. Ein perfekter Hintergrund für Naturaufnahmen. Das verstand sogar ich.
"Diesen Sommer habe ich ein spezielles kleines Projekt. Ich fotografiere Sonnenaufgänge vom Turm aus. Dafür nehme ich den Schlafsack mit und verbringe die Nacht dort oben", erzählt Conny. 

 

Details 
Je mehr Zeit ich zusammen mit Conny verbringe, desto klarer wird mir, dass es bei Naturaufnahmen auf Unmengen von Details ankommt.
"Man muss das Zusammenspiel von Natur und Licht verstehen", sagt er. Um den perfekten Sonnenaufgang zu fotografieren, muss der Nebel richtig liegen, das Licht muss genau richtig einfallen, und wenn alles stimmt, habe ich trotzdem nur 15 Minuten. Dann ist der Augenblick schon wieder vorbei.

"Ist es das da?", frage ich und nicke in Richtung einer Landzunge im See.
"Ja, eines meiner mobilen Verstecke. Im Juli und August fotografiere ich Fischadler. Dort mündet auch der Sikån."
"Da, wo Sie die Singschwäne fotografiert haben?", frage ich und erinnere mich an die Bildervorführung während unserer Kaffeepause.
Er nickt und gibt mir zu verstehen, das Paddel wegzulegen.
"Jetzt sind Sie der Fotograf." Er reicht mit die große Spiegelreflexkamera.

Das ganze Jahr hindurch
Wenn Conny nicht selbst fotografiert, nimmt er über sein Unternehmen "Wildshots Sweden AB" Besucher mit sich hinaus, um ihnen authentische Naturerlebnisse in der Umgebung von Kalvträsk zu bieten. Im Herbst und Winter dreht es sich dabei hauptsächlich um Steinadler. Aber es kommen auch Raben und Rotfüchse, Hühnerhabichte, verschiedene Spechtarten und andere Kleinvögel am Versteck vorbei.

"Ganz zu schweigen vom Nordlicht, Vollmond und Sternenhimmel", sagt er.
 "Der glitzert wirklich wie im Märchen."

Im Frühling hat man auch gute Chancen, eine Birkhahn- oder Auerhahnbalz zu sehen, die man dann mit dem Steinadler kombinieren kann. Und im Sommer gibt es Biber, Singschwäne, Prachttaucher und Elche zu fotografieren, und dann natürlich am besten vom Kanu aus. 

Schwer zu inszenieren

Kalvträsk wird gewöhnlich von geübten Amateurfotografen besucht, die oft genauso gut sind wie professionelle Fotografen, wenn nicht besser.
"Halbprofis, kann man vielleicht sagen. Die verstehen, dass es keine Erfolgsgarantie gibt, und können den Augenblick ausnutzen, an dem alles zusammenfällt", erklärt Conny.

"Szenen mit wilden Tieren lassen sich natürlich schwer inszenieren", sage ich.
Wir folgen dem gewundenen Lauf des Flüsschens Svartån. Conny steuert das Kanu, und ich halte Aussicht, mit der Kamera fest im Griff. Hier und da sehen wir Biberrutschen, und vor einer engen Flusswindung flüstert Conny:
"Ein Biberbau", und zeigt mit dem Paddel darauf.
Ich hebe die Kamera, halte das Auge an den Sucher und tue das, was jeder richtige Naturfotograf tun würde - ich warte auf den richtigen Augenblick.

Wollen Sie auch mit Conny Lundström in die Wildnis hinaus? Hier finden Sie mehr Informationen.

 

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